JAN 4 2011

E-Gov 2011 – Offene Verwaltung Quo Vadis?

von in E-Government, Open Government Hinterlasse einen Kommentar

In vielerlei Hinsicht wird 2011 im e-Government Sektor wohl ein spannendes Jahr werden. Weltweit gewinnt das Thema (mittlerweile oft gleichgesetzt mit Government 2.0) immer mehr an Fahrt, da die Entwicklungen im Web, die leeren Kassen im öffentlichen Sektor und das an vielen Orten sich verändernde Verhältnis zwischen Staat und Bürger dazu beitragen, dass Prozesse noch effizienter und nun auch offener und allgegenwärtiger sein sollten. Offene Verwaltungsdaten werden ein zentrales Thema sein, denn der Zugang zu Informationen – und wie diese genutzt werden – ist der Schlüssel zu einer noch besser funktionierenden Gesellschaft.

Umweltdaten, Verkehrsdaten, Gesundheitsdaten, Kriminalitätsdaten, Haushaltsdaten und Wirtschaftsdaten – was Befürworter von Open Data (zeitnahe, maschinenlesbare, universelle Verfügbarkeit aller öffentlichen, nicht-personenbezogenen Daten in Rohform) sich von diesen Datensätzen versprechen, ist leider oft noch zu unkonkret, als dass die Politik es als Chance erkannt hätte. So meint Lorenz Matzat im Zeit Blog, dass zwar 2010 viel Fortschritt erzielt wurde (er spricht dabei primär von Deutschland), aber die begonnenen Veränderungen von Verwaltungen angestoßen wurden, nicht von der Politik. Ein Blick auf die Realität zeige außerdem, dass freie Daten nicht automatisch einen gesellschaftlichen Wandel bedeuten (Beispiel USA, einem Vorreiter was Open Data betrifft). Es fehle eine sogenannte „Killer App“, eine praktische Anwendung auf Basis offener Daten, die sonnenklar und auf überwältigend einfache Weise den Mehrgewinn für die Gesellschaft illustrieren würde. In den USA sind Freigaben von Fahrplänen des Personen Nah- und Fernverkehrs im Open Transit Format eine Tendenz dahin, doch handelt es sich dabei meist um fast schon als selbstverständlich hingenommene Funktionserweiterungen von Google Maps. Der Öffentlichkeit ist der eigentlich verblüffende Schritt dahin, wie er bisher erst in wenigen deutschen Städten passiert ist, nicht klar.

Ein Hauptgrund für die langsame Entwicklung mag auch in den teilweise zu großen Rückständen liegen, die viele Behörden aufzuholen haben. Open Data ist für viele Verwaltungen mehr als ein Fernziel, insbesondere wenn intern Aktenabläufe nach wie vor parallel auf Papier (oder nur auf Papier) erledigt werden, wenn Emails ausgedruckt, jede Information nach außen von oben genehmigt werden muss und die IT Infrastruktur erst langsam modernisiert wird. Open Data ist kein Selbstläufer und kann in seinen technischen, juristischen und administrativen Voraussetzungen nur auf Basis eines modernen Verwaltungsapparates konsequent umgesetzt werden. Parallel zu den Rufen nach Open Data durch die Aktivisten fehlt ein noch nachdringlicherer Ruf nach Verwaltungsmodernisierung durch Bürger und Politik, und zwar nicht mit dem Ziel zu einem e-Government anno 1990 zu kommen (nach dem Motto “jetzt MsWord statt Schreibmaschine”), sondern mit dem Ziel, den öffentlichen Verwaltungsapparat zu einer virtuellen Plattform (angelehnt an die Idee von Tim O’Reilly) umzugestalten, auf der sämtliche Dienste über offene Schnittstellen andocken können. Denn der wirkliche Durchbruch wäre erst dann vollzogen, wenn „Open Data“ nur mehr eine in der Verwaltung optional „zu aktivierende Funktion“ wäre, weil alle Voraussetzungen systemimmanent „per default“ erfüllt sind. Das ist meine Neujahrsbotschaft, mit der ich allen Lesern einen erfolgreichen, mutigen und innovativen Start in das neue Jahr wünsche.

Ausblick:
Da auch vor dem Begriff Open Data politisches Kalkül, Trenddenken und begriffliche Ungenauigkeiten nicht halt machen, möchte ich noch auf einen sehr interessanten und lesenswerten Blogeintrag (Englisch) der Open Knowledge Foundation hinweisen. Der Text diskutiert den Begriff Open Data, mit dem Fazit, dass leider zu oft mit Open Data öffentlich verfügbare Daten gemeint sind, und dabei ins Hintertreffen gerät dass diese Daten selbst nicht wirklich offen sind.

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