FEB 7 2011

E-Government Tacheles: Von Akten zu Daten

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Seit dem Aufkommen des E-Government in den 90er Jahren, hat sich genau genommen an der Idee nicht viel verändert. Grund dafür ist, dass sich die Verwaltungslogik auf der es aufbaut an sich kaum geändert hat. Lediglich die technischen Werkzeuge welche die bestehende Logik elektronisch reibungsloser, kosten-effizienter und benutzerfreundlicher abzubilden vermögen, sehen heute anders aus als noch vor vielen Jahren.

Der öffentliche Sektor muss täglich mit fast unvorstellbaren Mengen an Aktenbergen nachvollziehbar umgehen, und diese rechtlich mandatiert oft jahrelang archivieren. Vor dem Zeitalter der Informationstechnologie bestand Wissen, also Information in Form irgendwelcher Daten (Zahlen, Namen, Summen, Erlaubnisse, Entscheidungen, Verordnungen, etc.) aus Tinte auf Papier. Die einzige Möglichkeit diese Informationen zu transportieren und zu archivieren war, das Papier zu transportieren und zu archivieren. Es bedarf eines ordentlichen (Denk)Schrittes zurück, um sich vor Augen zu führen, wie redundant unser Aktenverkehr eigentlich ist. Die enormen Kosten, welche durch die Kommunikation mit – und die Archivierung von – Informationen in Papierform entstehen, sind dann schwer zu rechtfertigen.

Wir erwarten, dass E-Government es uns ermöglicht die Verwaltungsprozesse unserer Gesellschaft mit Hilfe von IKT vollständig elektronisch abzuwickeln. Letztendlich wollen wir auch nicht das Papier aufheben, sondern das darauf enthaltene Wissen, da wir nur die Informationen benötigen, nicht das Medium das unsere Vorfahren erfunden haben um sie zu transportieren. Darüber hinaus bedeutet dies, das wir auch das Format des Papiers nicht in elektronischer Form imitieren brauchen, was heute noch völlig normal ist.

Warum werden in digitaler Form Milliarden von Dokumenten gespeichert die sich visuell von Briefen in Papierform nicht unterscheiden? Für den Fall, dass man sie ausdrucken will? Es muss reichen, die enthaltenen Information und Meta-Informationen zu speichern und transportieren, also rein die Inhalte, um einen Brief zu jederzeit (automatisiert) reproduzieren zu können. E-Government wird erst dann zur tatsächlich elektronischen Verwaltung, wenn die Informationen elektronisch verwaltet, verarbeitet und genutzt werden, an Stelle von digitalisierten Abbildern von Akten in Papierform, so wie dies im Moment der Fall ist. Es macht einfach keinen Sinn.

Damit wir eines Tages eine Regierung und Verwaltung haben, welche die Fähigkeit hat, Informationen zu erheben, zu analysieren, auszutauschen, zu verarbeiten und zu veröffentlichen (in Echtzeit, mit offenen Schnittstellen) um für die Gesellschaft zeitgemäße Dienstleistungen anzubieten (Government 2.0, Open Data, Open Government, interaktive Plattformen, e-Services, elektronische Bürgerbeteiligung usw.) brauchen wir Informationen in Rohform  – Daten, nicht Dokumente. Man stelle sich ein Hochhaus voller Papier vor, und dann den Platz, den nur die darin tatsächlich enthaltenen Informationen benötigen würden.

Verwaltungen heute behandeln das Medium (Papier) und das Format (Dokumentenlayout) noch zu sehr als ob es Teil der Information wäre, aber das ist es nicht! Informationen sind das Öl des 21. Jahrhunderts sagt man, aber unsere Bürokratien sind zu sehr um die Fässer, Rohre und Kanister besorgt als um die Flüssigkeit. Erst wenn wir es geschafft haben, die Informationen vollständig vom Medium zu trennen, kann E-Government seinem Namen gerecht werden und sein Potential ausgeschöpft werden.

In einem anderen Blogeintrag diskutieren wir warum traditionelle Unterschriften nicht ansatzweise sicher sind im Vergleich zu elektronischen Signaturen, Zertifikaten und beispielsweise Zwei-Faktor Authentifizierung – und gehen der Frage nach woher die Vorstellung kommt, dass ein Papier mit Unterschrift aus Tinte rechtskräftiger oder echter sein soll als etwas aus Bits und Bytes.

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