FEB 22 2011

Kollaboration in Regierung und Verwaltung – Ein düsteres Bild?

von in Allgemein 1 Kommentar

Ein Eckpfeiler dessen, was konzeptionell unter Open Government verstanden wird, ist Kollaboration (neben Transparenz und Partizipation, in der Modellvorstellung geprägt durch das Obama Memo, siehe hier). Gemeint ist damit in Expertenkreisen nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Bürgern (government-to-citizen g2c), sondern auch und vor allem die inner- und vor allem interbehördliche Zusammenarbeit (government-to-government g2g). Reine unidirektionale Kommunikation ist jedoch noch keine Zusammenarbeit, und somit versteht sich Kollaboration eben in diesem Kontext zumindest als multilateraler Austausch oder eben gar als orts- und zeitunabhängige Zusammenarbeit mit konkreten Ergebnissen. Kollaboration kann jedoch aus intensiverem Erfahrungs- und Wissensaustausch und besserer Vernetzung entstehen, somit baut das eine auf dem anderen auf. Wozu sollte das gut sein, und warum wird es von Befürwortern gefordert?

Behörden agieren nicht in einer Blase. Probleme die in einer Institution vorkommen, gibt es auch in Anderen, und von Erfolgsgeschichten können im Grunde genommen alle profitieren. Ein Austausch innerhalb und vor allem auch unter den Behörden und deren Mitarbeitern ist heute Zukunftsmusik, vor allem via sozialer Netzwerke im Internet, doch es würde sich enormes Innovations- und Lernpotential eröffnen, das institutionelle Lernen fördern, Kompetenzen stärken und Perspektiven erweitern. Die genaue Ausgestaltung – unter anderem wegen den unterschiedlich benutzten Begrifflichkeiten – unterliegt aber unterschiedlichen Auffassungen.  Allgemein gehen wir davon aus, dass es abgesehen von der eher auf web 2.0 Technologien gestützten Kollaboration und Vernetzung primär auch um die innerbehördliche projektzentrierte Kollaboration geht. Eben jene, bei der es sich um Austausch von Dokumenten, Koordination etc dreht, also Anwendungsbereiche in denen Organisationen die Fabasoft eGov-Suite oder Folio Cloud einsetzen. Wie sieht es aber außerhalb der normalen Arbeitsumgebung aus? Gibt es einen Informationsaustausch quasi büroübergreifend über Innovationen, Problemlösungen, Verwaltungsmodernisierung, Best Practice? Wie lernen Behörden (das gleiche gilt genauso für Firmen), und wie sehen die Freiräume aus, die es den Mitarbeitern (in gewissem Sinne das Humankapital) erlaubt, sich zu vernetzen, auszutauschen, weiterzubilden und gegenseitig zu helfen?

Durch die weit verbreitete Sperrung sozialer Netzwerkdienste an Arbeitsplätzen vieler Organisationen und die juristischen Bedenken (u.a. wegen Unsicherheit auf Grund fehlender Leitfäden) wird die Ausschöpfung der oben aufgelisteten Potentiale behindert. Wie innovativ dies aber sein kann, zeigt der Erfolg in den USA von Govloop, einer privaten Initiative, die sich zum “Regierungs-Facebook” gemausert hat, und dort landesweit (aber längst auch außerhalb den USA) zum Wissensaustausch unter Angestellten in Regierung und Verwaltung beiträgt und als Experten- und Wissensplattform, sowie Forum für Meinungsführer gilt.

Dieses Innovationspotential auszuschöpfen ist ein Traumziel, von dem wir in Europa teilweise noch sehr weit entfernt sind. Kommunikationsstrukturen und Einstellungen gegenüber aktuellen technischen Plattformen zur Zusammenarbeit und web-basierter Kommunikation können mit viel Wille verbessert wurden, damit das Humankapital das der Staat beschäftigt, besser angezapft werden kann. Dabei spricht wenig gegen die Nutzung dieser Netzwerke durch die Mitarbeiter, so lange diese sich der Rahmenbedingungen und Regeln bewusst sind. Ein Großteil der Risiken und Gefahren die oft genannt werden, lassen sich eindämmen indem man Unklarheiten und rechtliche Grauzonen beseitigt, und den Nutzern Leitfäden an die Hand gibt mit denen für klare Regeln gesorgt wird.

Übrigens haben wir an den Fabasoft egovdays 2011 in Berlin, München, Bern und Wien einige unserer Gäste zu dem Thema befragt, und dabei festgestellt dass zwar ein wachsender Teil manche der sozialen Netzwerke nutzt, das allgemeine Bild aber eher düster aussieht. Hier ein Auszug aus unserer nicht repräsentativen Umfrage:

Social Media am Arbeitsplatz

Neben den sozialen Netzwerken wäre eine verstärkter Fokus auf internes Wissensmanagement (hier unser Blogeintrag dazu) eine optimale Strategie, die Verwaltung effizienter, offener, flexibler und vernetzter zu gestalten. Um ein Beispiel im Bezug auf unsere eigene Produktpalette zu bieten: Es lassen sich Ressourcen in der Fabasoft eGov-Suite zum Beispiel in internen (oder externen) Wikis referenzieren. Techniken wie Single-Sign-On (SSO) und zertifikatsbasierte Anmeldungen können die Nutzung von Kollaborationsplattformen sicher machen. Auch ohne ein deutschsprachiges Govloop wäre es möglich, Potentiale besser auszuschöpfen, und dies nicht nur im Sinne der teils sehr weit fortgeschrittenen Forderungen der Open Government Bewegung, oder der technikaffinen Government 2.0 Befürworter, sondern durchaus auch im Rahmen bestehender Strategien, wie der E-Government 2.0 Strategie der BRD. Was haben Sie für Erfahrungen gemacht in diesen Bereichen? Ich freue mich auf Feedback.

Nachtrag: Eine modifizierte Version dieses Textes finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe 2/2011 von Verwaltung Kompakt auf www.behoerdenspiegel.at

Interessante und weiterführende Links zu dem Thema:

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Eine Antwort auf Kollaboration in Regierung und Verwaltung – Ein düsteres Bild?

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