OKT 27 2011

Führt das Web 2.0 zu Strukturänderungen in der Verwaltung?

von in Examples Hinterlasse einen Kommentar

Das Serviceangebot über das Internet wird immer stärker genutzt.  Dies zeigt sich – wenn auch regional noch unterschiedlich – recht deutlich in der Studie E-Government Monitor 2011. Schweden und Österreich konnten bei der Nutzung des E-Government Angebotes Werte von 69 bzw. 68 Prozent erreichen. Für kleine Verwaltungsorganisationen (wie z.B. kleinere Kommunen) führt eine Bereitstellung von Online Services jedoch schnell in die Kostenfalle.

 

Viele teure Systeme für wenige Nutzer witschaftlich bereitzustellen ist auf den ersten Blick kaum möglich. Denn: Die Einführung neuer Technologien und Geräte erfordert unweigerlich deutliche Investitionen on Infrastruktur und personelle Ressourcen (siehe Artikel „Warum iPads nicht eingeführt werden?“ im CIO-Magazin).  Stillstand ist jedoch auch keine akzeptable Alternative.

Um hier zu Lösungen zu gelangen, wird es notwendig sein, bestehende starre Strukturen aufzulösen und durch flexiblere Strukturen zu ersetzen. Dies werde ich an einigen Beispielen darlegen.

Cloud Computing bietet nicht nur aus der Sicht der Infrastrukturen sondern auch aus organisatorischer  Sicht eine klare Perspektive in diesem Dilemma. Cloud-Angebote wie Fabasoft Folio Cloud sind zwar heute flexibel anpassbar bzw. durch individuelle Apps erweiterbar. Individualsoftware pro Kunden wird dabei nicht zugelassen. Details zu den Möglichkeiten mit Cloud-Angeboten beschreibt der Blog-Artikel von Ing. Roland Ledinger, Leiter des Bereiches IKT-Strategie des Bundes im Bundeskanzleramt sowie
Geschäftsführer der Plattform Digitales Österreich, unter dem Titel „Cloud und E-Government: Synergie oder doch nur Hype?“

Eine andere Möglichkeit, den Nutzen aus gemeinsamen Services zu erreichen bzw. die „kritische Masse“ an Nutzern so weit zu erhöhen, damit diese Anwendungen wirtschaftlich umgesetzt und betrieben werden können, sind Strukturveränderungen. Dieses Wort erfreut sich letzten Jahrzehnten gleichbleibender bzw. steigender Unbeliebtheit, wird doch in allen europäischen Staaten zumindest seit dem EU-Beitritt dieser Staaten über nötige Strukturreformen und der Reduktion von Verwaltungsebenen gesprochen. Die konkreten Ergebnisse sind meiner persönlichen Meinung nach aber bisher nicht oder kaum ersichtlich. Und ich gehe davon aus, dass ich mit dieser Einschätzung nicht alleine bin. In anderen Branchen kann man dazu bereits klare Entwicklungen erkennen (siehe Artikel in Heise.de, der beispielsweise das Aussterben der Bankfilialen durch das Internet ankündigt).

Wenn also Strukturreformen nicht gewünscht oder auf Grund politischer Machtverhältnisse nicht durchführbar sind, so bleibt noch ein dritter Weg, um zumindest auf der Ebene der Serviceangebote und verwaltungsseitig Kosten einzuschränken und Synergieeffekte zu erreichen. Diesen dritten Weg würde ich als prozessorientierte Verwaltungskooperation bezeichnen. Darunter verstehe ich, dass sich mehrere vom Leistungsangebot vergleichbare Verwaltungsorganisationen zusammentun und sich auf technischer und organisatorischer Sicht verpflichten, diese Verfahren zu konsolidieren und gemeinsam und einheitlich durchzuführen. In Österreich kann dazu das Projekt „ELAK im Bund“ als Beispiel genannt werden. Trotz des klaren Wunsches nach Individualisierung und eigener Budgets, wurden für die Aktenverwaltung  in allen Ministerien  ein einheitliches System,  eine einheitliche Vorgehensweise und  einheitliche Richtlinien eingeführt. Vergleichbares wurde auf Bundesebene in der Schweiz initiiert und erste Ansätze sind in Deutschland im Bereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und Bundesministerium für Gesundheit zu beobachten. Eingeschränkt auf das Serviceangebot  im Internet kann dazu das Prototyp-Projekt „Single Government Domain“ in Großbritannien genannt werden.

Bisherige Projekte zum IT-Outsourcing können nicht als Beispiel für die notwendige strukturelle Veränderung  genannt werden, da diese nur auf Kosteneinsparung durch Verlagerung von IT-Systemen bzw. Leistungen im IT-Bereich abzielen ohne den dazu nötigen organisatorischen Aspekt oder mögliche Synergien zu berücksichtigen.

Welche Mischung der oben  genannten Varianten auch immer gewählt wird, es wird voraussichtlich jeder Aspekt inkludiert werden müssen, denn es ist sprichwörtlich 5 vor 12 um mit der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zu beginnen. Die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sowie eine Vereinheitlichung und eine Weiterentwicklung bei der Serviceorientierung sind wesentliche Anforderungen an jede Organisation im heutigen Web 2.0 Zeitalter. Nur durch konkrete und rasche Maßnahmen können aktuelle und zukünftige Technologien, wie beispielsweise im Bereich der Mobilität, auch zeitnah und kostendeckend in das Verwaltungsportfolio integriert werden.

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