NOV 23 2012

5 Kardinalfehler bei Schnittstellen-Projekten

von in Praxis Hinterlasse einen Kommentar

Dieser Blogartikel handelt von potentiellen Fehlern bei Projekten, wo zwei Systeme miteinander verbunden – also Schnittstellen gebildet – werden sollen. Zunächst mal zur Frage, warum einzelne Systeme überhaupt miteinander vernetzt werden sollen: Isolierte Systeme steigern nur bedingt die Effizienz des Verwaltungshandelns, da die Daten immer stärker – im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten – vernetzt sind. Organisationsübergreifender Datenaustausch, Ankopplung von Services für die Nutzung zusätzlicher Funktionen sind oft Folgewünsche bzw. Anforderungen bei der Nutzung eines zu Beginn isolierten Systems.

Beispiele im ECM- und eGovernment-Umfeld sind die Anbindung zu Fachverfahren oder die Schnittstelle zu einem ERP-System.

Der Weg bis zur funktionierenden Integration einer Schnittstelle ist allerdings oft ein holpriger und alles andere als ein Frühlingsspaziergang.
Im folgenden Abschnitt beschäftige ich mich mit diesem Thema und den 5 schwerwiegendsten Fehlern, die bei Schnittstellen-Projekten aus meiner Sicht passieren können und damit den Projekterfolg im worst case verhindern.

1. Die Spezifikation wird zu ungenau formuliert
Zu Beginn des Projekts scheint die Anforderung klar zu sein: Zwei Systeme sollen miteinander kommunizieren und dabei Daten austauschen, jedes System funktioniert in sich. Oft vergisst man dabei, dass es wichtig ist, alle Fälle der Schnittstelle zu spezifizieren. Das sollte zu Beginn des Projekts bzw. vor der Implementierung erfolgen. Welche Use Cases gibt es für die Endanwender? Wie soll sich das System im Fehlerfall verhalten? etc.

2. Es gibt keine Testumgebung, die für beide Parteien erreichbar ist
In vielen Fällen ist ein Zugang zum Testsystem via Browser (im Beispiel Web Service-Aufruf) aus sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich. Das kann für eine zeitgerechte Umsetzung ein großer Stolperstein werden.

3. Der Fokus liegt nur auf dem technischen Teil
Wenn man vor der Aufgabe steht, eine Schnittstelle zwischen zwei Systemen einzuführen, läuft man Gefahr, sich zu stark auf den technischen Teil zu versteifen, die Frage nach dem Ziel und Nutzen der Schnittstelle zu vernachlässigen und die Nutzersicht auszublenden. So ist es zwar möglich, eine Schnittstelle aus technischer Sicht erfolgreich zu implementieren, scheitert in weiterer Folge allerdings womöglich an der Benutzerakzeptanz. Hier sollte man auf bewährte Umsetzungen zurückgreifen, z.B. SAP-Integration.

4. Es gibt Experten pro System, aber keinen der Überblick über das Gesamtprojekt hat
Zu Beginn des Projekts ist die Anwendung der jeweils anderen Seite für die Verantwortlichen in der Regel unbekannt. Unter dieser Konstellation sollte eine Person vom Projektteam auserkoren werden, die sich Know How im Bereich aller eingesetzten Systeme inklusive der Schnittstellentechnologie aneignet, sodass es im Projekt jemanden gibt, der über alle Dinge Bescheid weiß. Bei einem Schnittstellen-Projekt sollte es also auch eine personifizierte Schnittstelle geben, was im Idealfall der Projektleiter übernehmen sollte.

5. Keine laufende Pflege der Schnittstelle
Sobald eine Schnittstelle funktioniert und diese läuft, sind alle glücklich und zufrieden und niemand hat mehr ein Auge darauf. Das kann soweit führen, dass die Schnittstelle jahrelang läuft und plötzlich ein Fehler auftritt. Da ist es wichtig, jemanden zu haben, der auch die Implementierung der Schnittstelle kennt und weiß, wie das technisch funktioniert. Gibt es diese Person nicht, kann es sehr viel Aufwand bedeuten, den Fehler zu eruieren und zu beheben. In der österreichischen Wirtschaftskammer gibt es beispielsweise eine Schnittstelle vom ECM-System zu der Heizungssteuerung aller Vorlesungsräume. So kann realisiert werden, dass unmittelbar vor einer Schulung der Raum geheizt wird und die Teilnehmer bei kälteren Außentemperaturen nicht frieren müssen. Wenn man da den Überblick verliert und die Schnittstelle nicht richtig funktioniert, kann das im Winter zum Frieren der Teilnehmer führen.

Fazit:
Die Implementierung einer Schnittstelle soll sehr akribisch geplant werden, wobei der Fokus sowohl auf die organisatorischen Herausforderungen als auch auf die technische Lösung gesetzt werden sollen. Wenn möglich soll die Integration mit einer standardisierten Lösung erfolgen, wo es bereits Erfahrungsberichte gibt.

Was sind Ihre Erfahrungen zum Thema Einführung von Schnittstellen? Kommen Ihnen oben genannte Probleme bekannt vor, haben Sie weitere bzw. andere Tipps für Best Practices?

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